Für eine lebendige Demokratie

Diesen Sonntag werden das Winterthurer Stadtparlament und die Regierung für die nächsten vier Jahre neu bestellt. Und möglicherweise sind Sie froh, dass der Wahlzirkus vorbei ist? Plakate mit bekannten und weniger bekannten Gesichtern werden bald überklebt und die Marktgasse befreit sein von Standaktionen, wo Kandidierende mit Schöggeli, Äpfeln oder Flyern zu Gesprächen einladen. Und als erneut kandidierende SP-Stadträtin bin ich Teil dieses Zirkus.

Dieser mag mitunter etwas penetrant sein, und gleichzeitig freue ich mich über das Engagement so vieler Menschen, die unsere vielfältige politische Landschaft widerspiegeln. Jede Meinung hat Platz, möge sie noch so unbequem sein: Wer mit Argumenten überzeugt, wer mit Sympathie punktet, wer die Menschen mit einer tollen Vision zu begeistern vermag, hat intakte Chancen, unsere Gesellschaft zu prägen. Wir alle wissen: das ist in vielen Ländern nicht der Fall. Denken wir an Russland, Syrien oder den Iran, wo politische Gegner und Journalistinnen mundtot gemacht werden, oder es lebensgefährlich ist, gegen eine Regierung zu opponieren. Bis vor Kurzem dachten wir, dass dies in unserer westlichen Welt unmöglich, ja die Demokratie unerschütterlich sei. Doch inzwischen machen wir uns ernsthafte Sorgen darüber, ob die nächsten Wahlen in den USA noch nach demokratischen Grundsätzen durchgeführt und die Resultate respektiert werden.

Unabhängig wie die Wahlen am Sonntag in Winterthur ausgehen: Wir dürfen uns über intakte Verhältnisse freuen. Und es liegt an uns allen, dass dies so bleibt: durch eigenes politisches Engagement, durch das Zollen von Respekt gegenüber Andersdenkenden, durch unabhängigen Journalismus, von SRF über Landbote oder Winterthurer Zeitung bis zu wnti.ch. Oder einfach, indem wir wählen gehen. Für unsere lebendige Demokratie!

Christa Meier
Vorsteherin Departement Bau und Mobilität, Stadt Winterthur